Landschaft

eichenbergEin Garten ist im Kern seit seiner Erfindung vor einigen tausend Jahren eine idealisierte Landschaft im Kleinformat. Ein Garten zieht seine Inspiration in der Regel aus seiner natürlichen Umgebung und den jeweiligen zeitgenössischen Bildern vom Paradies. So ist es auch in diesem Falle, weshalb ein Einblick in die Umgebung des Margarethenhofs für das Verständnis der Anlage hilfreich ist: Pehlitz ist ein ausgesprochen winziges Dorf am Ufer des mächtigen Parsteinsees im Süd-Osten der Uckermark. Das eindrucksvolle Tal der Oder ist kaum 10 km Luftlinie entfernt. Erst kürzlich, vor knapp 15.000 Jahren, erblickte dieses landschaftliche Kleinod das Licht der Welt. Es überdauerte die Jahrhunderte unter kilometerdicken Gletschern im Verborgenen. Deren Rückzug überließ eine wellige Hügellandschaft mit unzähligen Gewässern der Landschaftsgenese.

 

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Die Sümpfe von Pehlitz sind selbst im Winter lieblich (Schilfrohr)

Die östliche Uckermark ist einer der Hotspots der botanischen Artenvielfalt in Deutschland. Hier stoßen die westlichen Vorposten der osteuropäischen Steppen auf die ozeanischen Florenelemente der norddeutschen Tiefebene. Schuld sind die Hochdruckgebiete über den eurasischen Landmassen im Osten, die hier regelmäßig für ziemlich kalte Winter und trocken-warme Sommer sorgen. Mit etwas mehr als 500 mm Jahresniederschlägen gibt es kaum trockenere Orte in Mitteleuropa. Die einmalige Gemengelage aus wasserhaltenden Lehmböden, rasch abtrocknenden Hügelkuppen, Niederschlagsarmut und Gewässerreichtum ermöglichen einen unvergleichlichen Artenreichtum von Flora und Fauna auf engstem Raum.

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… und im Herbst auch (Pfaffenhütchen)

Rund um die Ökodörfer von Brodowin und Pehlitz ist diese Vielfalt sogar bis heute erhalten geblieben. Eines der größten Ökolandbaugebiete Europas schwimmt wie eine Insel der Seeligen im Meer der geschundenen Agrarlandschaften. Hier kann man sehen, hören und sogar riechen, welchen Unterschied ein Viertel-Jahrhundert ökologischer Landbau macht. Der Artenreichtum trägt mitunter unwirkliche Züge. In jeder größeren Pfütze erschallen im Frühling die meckernden Rufe von Laubfrosch und das seufzende Flöten der Rotbauchunke. In den Söllen hält die Rohrdommel ihren Harem mit dumpfen Urlauten zusammen, in den Sumpfwäldern trompeten die Kraniche in den Morgen- und Abendstunden. Die glitzernd-weißen Silberreiher gleiten wie Feenwesen durchs Bild und klappernde Störche auf den Horsten von Pehlitz und Brodowin machen das Idyll komplett.

 

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Landreitgras auf den Hügelkuppen im Gegenlicht

Moore und urwaldartige Buchenwälder im Plagefenn, dem ältesten Naturschutzgebiet Deutschlands, lassen uns die Erhabenheit der unberührten Natur spüren. Blütenreiche Steppen- und Trockenrasen rühren an unseren kollektiven Erinnerungen an historische Landnutzungsformen  und die lebendigen Übergänge zwischen Wäldern, Wiesen und Wassern beglücken den archaischen Jäger und Sammler in uns.

Diese Landschaft spielt auf der ganzen Klaviatur unsere emotionalen Ansprüche an ein erfüllendes Landschaftserlebnis. Ihre Vielfalt und ihr Abwechslungsreichtum wecken unsere Neugier und fordern uns auf, ihre Geheimnisse zu entdecken. Hinter jeder Wegbiegung werden wir mit überraschenden Ein- und Ausblicken belohnt. Die langen Linien der Knicks und die markanten Hügelformen helfen bei der Orientierung im Raum und geben uns Sicherheit, ebenso wie die beruhigenden, Kontrolle symbolisierenden Bilder nachhaltig kultivierter Äcker, Wiesen und Weiden. Überhaupt ist die Landschaft reich an symbolisch aufgeladenen Elementen, die den aufmerksamen Beobachter zu tiefschürfendem Sinnieren über die Ur-Gründe des Seins verleiten…

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