Campanien – die nützliche Natur

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Klostergarten Andechs mit Lavendel und Kapuzinerkresse

Campanien

Frisch gepflügter Acker am alten Mühlenberg von Brodowin


Der campanische Blick auf die Natur findet in den symetrischen Gartenanlagen der Renaissance und des Barock ihren klarsten Ausdruck. Zwar wurden diese nach starken Ordnungsproinzipien gestalteten Gärten zeitgenössisch als Vervollkommnung der Natur verstanden. Aus heutiger Sicht ist das scheinbar rationale Konstrukt hinter der Leidenschaft für Symmetrien aber kaum noch verständlich. Es scheint plausibler, dass die unterbewusste Grundmotivation der früh-neuzeitlichen Gestalter für Symmetrie und Geometrie ein Sicherheitsbedürfnis war. Das Erkennen von symmetrischen Gesetzmäßigkeiten in Natur- und Landschaft ist demnach ein rationales Gedankenkonstrukt, dem auf einer tieferen Ebene ein unwillkürlicher Wunsch nach Berechenbarkeit der gefährlichen Natur zugrunde liegt. Dann wären Formschnitt-Gehölze, Sichtachsen und in Reihen wiederholte Gartenelemente eben doch nicht Ausdruck des Strebens nach Perfektionierung der Naturschönheit, sondern des Strebens nach Beherrschung
der nach wie vor als unberechenbar wahrgenommenen Natur, um sich selbst sicherer zu fühlen. Natur und Landschaft konnte noch keine eigenständige, innere Ästhetik zuerkannt werden. Schönheit entsprang der Nützlichkeit und der Kontrolle.

Der Margarethenhof empfängt den Besucher zunächst mit einem Gartenteil, der von klaren Raumachsen, Fluchtlinien und Nützlichkeitserwägungen bestimmt wird. Gerasterte Kräuterbeete, Beerenobst und Lavendel in Reihen knüpfen an unsere kollektive Bilderwelt vom guten Landleben an. Sie versetzten uns in eine wohlige Stimmung. Der intensive, würzige Geruch der weitläufigen Kräuteranlage durchdringt diesen Gartenraum. Die einzelnen, durchaus klischee-gefährdeten Elemente, werden durch subtile Variationen vor dem Dasein als Stereotyp bewahrt.

Einfassungen aus unterschiedlich formierten Hecken lassen heimelige Teilräume entstehen und stärken das Gefühl der Geborgenheit. Nach Osten schweift der Blick über ein Kornfeld mit reicher Ackerbegleitflora und einer extensiven, blütenreichen Mähwiese, die fast nahtlos mit der umgebenden Kulturlandschaft verschmelzen. Die Raumspannung entsteht aus der Üppigkeit und latenten Widerborstigkeit der Vegetation, die sich dem steifen Raster nur widerwillig beugen mag.

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