Arkadien – die idealisierte Natur

Der arkadische Blick idealisiert und romantisiert die halbnatürliche, halboffene Weide- oder Hutelandschaft. Es ist das Land das Land der glücklichen Hirten und des harmonischen Wechsels lichter, savannenartiger Wälder mit warmen Wiesen und klaren Wässern. Arkadische Landschaften sind gezähmte “Wildnis”, ihnen ist das Bedrohliche genommen, ohne ihre Dynamik eingebüßt zu haben. Die wilde Natur wird nicht mehr verdrängt, sondern darf vom Rande her wohligen Schauer verbreiten.
Arkadien wird zum Flucht- und Sehnsuchtsort des Adels und des Bürgertums, die sich vom einfachen, „echten“ Leben auf dem Land Erlösung von den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit erhoffen. In Arkadien herrscht eine heitere, lichte Stimmung. Die menschlichen Bedürfnisse nach Naturerfahrung, Sicherheit, Stimulanz und Kontemplation werden in vollkommener Harmonie befriedigt. Die Arbeit in der Landschaft wird nebensächlich, weil die gütige Natur ihre Früchte anstrengungslos darbietet. Das Landleben beschränkt sich auf das beschauliche hüten der Weidetiere, das entspannte Sammeln von Früchten und philosophische Gespräche mit der Landbevölkerung.

Die Landschaftsgärten der Aufklärung setzten diese Phantasie in Architektur um. Bis heute prägt das arkadische Landschaftsideal auch die Wertsetzungen der Naturschutzbewegung.
Im Margarethenhof werden wir in diesem Teil des Gartens ganz besonderes Augenmerk auf das tierische Leben und ihre Bedeutung für die Wahrnehmung einer Pflanzung legen. Die Geräuschkulisse der Grashüpfer und hoffentlich auch der Feldgrillen in den verschiedenen Magerwiesen wird dem Betrachter ein umfassendes Naturerlebnis ermöglichen. Dazu kommen die visuellen Elemente der Tagfalter, Bienen, Grabwespen und Zauneidechsen.

Centaurea scabiosa u. Echium vulgare am Großen Rummelsberg

Skabiosen-Flockenblume u. Natternzunge am Großen Rummelsberg

Der zweite wichtige Aspekt ist die Glaubwürdigkeit aller Pflanzungen. Sie orientieren sich stark an pflanzensoziologischen Einheiten, ohne die ästhetischen Regeln der Pflanzenverwendung außer Acht zu lassen. Wir glauben, dass ästhetisch optimierte Pflanzungen, von denen der Betrachter glaubt, sie in der freien Landschaft schon mal gesehen zu haben, emotional besonders anrühren können.
Ästhetische Optimierung bedeutet, die Charakteristik von natürlichen Pflanzengesellschaften zu pointieren und ihre innere Schönheit für jedermann sichtbar zu machen. Die Basis solcher Pflanzungen stellen die gerüstbildenden Arten, die oft als Matrix mit hohen Deckungsanteilen vorkommen. Sie werden ergänzt durch die zierenden, oft temporär aspektbildenden Arten. Sie erhalten gegenüber der natürlichen Situation überhöhte Deckungsanteile. Ästhetisch unbefriedigende Arten werden minimiert oder gar weggelassen.

Im Arkadien des Margarethenhofs greifen steppenartige „Schaftriften“ und offene Streuobstwiesen das Thema auf. Vom etwas höher gelegenen „Campanien“ aus scheint sich eine weite, liebliche Hügellandschaft zu öffnen, wie man sie auch von den Höhen der Uckermark aus zu sehen bekommt. Die perspektivische Täuschung wird von der Einfassung der Szenerie aus halb-formierten Schlehenhecken und formierten Ligusterhecken verstärkt. Sie imitieren den Anblick von Baumhecken am nahen bzw. ferneren Horizont.

Gemeine Eberwurz (Calrina vulgaris) in magerem Trockenrasen

Trockene, magere Schafweide bei Pehlitz mit Gemeiner Eberwurz

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