sandig und mager

Trockene Böschung auf Sand mit Schafschwingeln und aspektbildendem Milden Mauerpfeffer

Trockene Böschung auf Sand mit Schafschwingeln und Zypressen-Wolfsmilch sowie aspektbildendem Mildem Mauerpfeffer

Bei den Sandtrockenrasen ist der Name Programm: sie entstehen auf leichten, grundwasserfernen Sandböden in vollsonnigen Lagen. Die Böden halten neben Wasser auch Nährstoffe sehr schlecht und sind durch die frühere Schafbeweidung zusätzlich ausgehagert.

Auf Binnendünen mit basenarmen, oft sauren Sanden können sich artenarme, lückige Pionierrasen mit dem charakteristischen Silbergras halten. Auf neutralen bis kalkreichen Sanden entstehen artenreichere, oft blütenbunte Grasnelkenfluren bzw. Schillergrasrasen.

Diese niedrigen Rasen bilden auf dem Margarethenhof den Vordergrund für die höherwüchsigen Federgras-Steppenrasen und die Halbtrockenrasen bzw. die mageren Frischwiesen.

Bei den Charakterarten der Sandtrockenrasen handelt es sich meist um recht ausbreitungs- und versamungsfreudige Arten. Sie sind in Mitteleruopa aufgrund ihrer Konkurrenzschwäche darauf angewiesen, offene Bodenstellen rasch zu besiedeln. Sie lassen sich daher fast alle gut und willig aus Saatgut etablieren.

Die Unterhaltungspflege muss in gewisser Weise den Fraßdruck der Schafe nachahmen, indem expansive und wuchsstarke Eindringlinge selektiv beseitigt werden. Dabei wird mit der Zeit auch das Übermaß an Stickstoff und Phosphaten zurückgeführt, das selbst die verwendeten Sandsubstrate aufweisen. Je ausgemergelter der Boden, desto geringer wird der Pflegeaufwand der Sandtrockenrasen.

Harte Standortbedingungen

Die Steppen-Glockenblume (Campanula sibirica) stößt in der Uckermark an ihre westliche Verbreitungsgrenze

Die Steppen-Glockenblume (Campanula sibirica) stößt in der Uckermark an ihre westliche Verbreitungsgrenze

Trocken- und Steppenrasen lassen sich nur unter härtesten Standortbedingungen entwickeln und v.a. mit vertretbarem Aufwand erhalten. Zwar leiden auch die charakteristischen Pflanzenarten dieses Extremstandortes unter Hitze-, Trockenheit und Nährstoffarmut. Sie leiden aber eben weniger, als andere Arten und sind nur hier konkurrenzfähig. Das typsiche Bild flirrender Mittagshitze über trockenen Gräsern, schüttere Vegetationsdecken mit offenen Bodenstellen entsteht nur unter erschwerten Bedingungen.

Im zentralen, vollsonnigen Bereich des Margarethenhofs gedeihen auf etwa 600 m² durch Variationen der Bodensubstrate unterschiedliche Typen von trockenheitstoleranten Magerrasen:

Der Federgras-Steppenrasen wird im Hochsommer maßgeblich durch die langen Grannen des Reiher-Federgrases (Stipa pulcherrima) und des Haar-Pfriemengrases (Stipa capillata) unverkennbar sein.

Im niedrigen, schütteren Kalk-Trockenrasen bildet das Schillergras (Koeleria glauca) die Matrix für niedrige Begleitkräuter wie die Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum).

Ähnlich niedrig und schütter in der Vegetationsbedeckung sind die Flächen des bodensauren Sand-Trockenrasens. Hier sind die borstigen, blau-grünen Horste des in der Gartenkultur völlig misachteten Silbergrases (Corynephorus canescens) prägend. Eine wichtige Rolle spielen aber auch Flechten und Moose in diesem für Brandenburg so typischen Pionier-Rasen.

Eine dichte, höhere Vegetationsdecke bilden die Salbei-Magerwiesen, in denen u.a. die namensgebende Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) individuenreich vertreten ist.

Einen großen Flächenanteil wird ein am Vegetationsbild von alten Schaftriften orientierter Bereich einnehmen. Hier dominieren weniger die Gräser als vielmehr Weideunkräuter wie Feld-Mannstreu (Eryngium campestre) oder der Gemeine Wacholder (Juniperus communis).

Erste Schritte

Wir haben im Mai 2014 mit den Arbeiten an den Steppen- und Magerrasen begonnen. Hierzu wurde eine vorhandene Sandaufschüttung umgelagert. Auf einer Fläche von etwa 600 m² entstand so eine zwischen 60 und 80 cm mächtige Sandschicht auf dem anstehenden Lehmboden. Auf eine zusätzliche Wurzelschutzfolie zwischen Lehm- und Sandboden wurde verzichtet. Wir gehen davon aus, dass die Schichtdicken ausreichen, um eine Durchwurzelung bis zum Lehmboden weitgehend zu verhindern. Außerdem wollten wir den Wurzelhorizont nicht zu stark beschneiden, da die meisten Steppenrasen-Arten ihre Trockenheitsresistenz maßgeblich aus ihrem weit- und tiefreichenden Wurzelwerk ziehen. Die Etablierung der Vegetationsdecke erfolgt überwiegend aus Saatmaterial, das in der weiteren Umgebung gesammelt wurde, über die Erfahrungen berichten wir ab dem Frühling 2015.

Pionier-Sandtrockenrasen im Mai 2015 mit bestandsbildendem SIlbergras

Pionier-Sandtrockenrasen im Mai 2015 mit bestandsbildendem Silbergras

Den Sandboden haben wir leicht modelliert, so dass ein Mikrorelief mit minimal varierenden Standortbedingungen entsteht. Die Bereiche der zukünftigen Kontinentalen Steppenrasen wurden oberflächlich mit einer etwa 5 cm starken Schicht Lehmboden bedeckt. Wir hatten Sorge, dass der Sand im Sommer verweht werden könnte. Diese Sorge war unbegründet, da der Margarethenhof erstaunlich windgeschützt liegt. Allerdings gedeihen Kalk-Magerrasen am Naturstandort fast immer auf mindestens anlehmigen Substraten, so dass die Maßnahme trotz der eingebrachten Nährstoffe gerechtfertigt war. Die Bodenreaktion wurden zudem mit Hilfe von Gartenkalk  in den alkalischen Bereich verschoben. Die Flächen für den bodensauren Sandtrockenrasen erhielten einen 5-10 mm starken Auftrag von Fichtennadeln. Auch hier wäre der Sand ohne dem ebenfalls nicht verweht worden. Allerdings erwies sich die hauchdünne Mulchschicht als hilfreich bei der Etablierung der Initialbepflanzung, hielt sie doch die Bodenoberfläche im Sommer etwas kühler und feuchter. Außerdem wirkte der Rasen von Anfang an recht natürlich, da Sandtrockenrasen in Brandenburg sehr oft im Biotopmosaik mit Kiefernwäldern stehen. Gleichwohl erwiesen sich selbst die paar Fichtennadeln als relevante Stickstoffquelle …